• Brina Capriolo

Zero Draft Methode

Man kann sich diese Methode ein bisschen wie das Aufräumen eines Kleiderschranks vorstellen. Zu allererst nimmt man alles, was man hat und wirft es auf das Bett. Ein riesiger Haufen Chaos, nichts zu finden, keine Ahnung was man alles hat und überhaupt: wo soll man anfangen? So in etwa fühlt sich das Schreiben eines Zero Drafts an.


Es geht nicht darum alles perfekt sortiert zu haben. Es fehlen Dinge, um Ordnung zu schaffen. Manche Teile gehören nicht in den Schrank und brauchen einen anderen Platz. Es ist falsch beschriftet und komplett durcheinander. Und ich verstehe jeden, der sagt, dass das nichts für ihn ist. Ich selbst hätte vor ein paar Monaten gesagt, dass das nichts für mich ist. Ich beiße mich beim Schreiben oft an Sätzen fest, springe nicht weiter, wenn eine Szene harkt, und verliere mich zwischendurch in stundenlangen Recherchen, weil mir etwas fehlt in einem Satz (das wahrscheinlich nicht mal wirklich bedeutsam ist).


Bei meinem letzten Projekt wollte ich daher was Neues ausprobieren. Eine andere Herangehensweise. Der Zero Draft kam mir da gelegen. Ich empfehle den Zero Draft denjenigen, die gerne Überarbeiten und nach der Rohfassung noch mal genauso viel Zeit reinstecken wollen. Denn das wird notwendig sein. Beim Zero Draft geht es darum zu schreiben. Klingt simpel. Dabei sollte aber bedachtet werden:


- es ist nur ein grober Abriss der Story

- Szenen werden übersprungen oder nur angerissen

- Charaktere können sich ändern (Namen / Aussehen / komplett verschwinden)

- Fehler (Zeitliche Abfolgen / Rechtschreibung / Logikfehler)


All diese Punkte werden während dem Schreiben nicht angepasst oder korrigiert. Man schreibt einfach weiter und macht sich einen Vermerk. Ich habe das farblich gestaltet. Hinter dem Satz / Absatz habe ich eckige Klammern gesetzt und notiert, was an diesem Punkt fehlt oder falsch ist, und habe es entsprechend farblich markiert, um es später beim Überarbeiten leichter zu sehen.


- Rot: Die Szene ist unvollständig und muss ausgebaut werden oder fehlt komplett

- Blau: Zeitangaben oder Abfolge müssen überprüft werden

- Grün: Recherche notwendig zu dem Thema

- Gelb: sonstige Anmerkungen


Die Farben und Anmerkungen können natürlich noch weiter aufgesplittet werden, wenn man das möchte. Mir haben die vier Farben aber erst einmal gereicht, um mich zurechtzufinden.


Ich habe z.B. während dem Schreiben die Jahreszeit geändert. Normalerweise hätte ich sofort mit der Überarbeitung des vorherigen Textes angefangen und wäre komplett aus dem Schreibrhythmus rausgekommen. So habe ich einfach weitergeschrieben und mir eine farbliche Markierung gesetzt. Bei solchen größeren Änderungen habe ich mir zusätzlich in meinem Schreibjorunal eine Notiz hinterlegt, damit ich direkt beim Überarbeiten weiß, darauf achten zu müssen. Ich habe Szenen geschrieben, die auf andere Szenen verweisen, die so aber noch gar nicht existieren. Aber beim Zero Draft stört das nicht. Es ist eine ganz, ganz grobe Rohfassung. Der Chaoskleiderhaufen auf dem Bett. Mit jeder Überarbeitungsphase danach, schaffen wir mehr Ordnung, mehr Klarheit. Ich weiß, dass das sicherlich nicht für jeden etwas ist. Aber gerade für Autoren wie mich, die lieber und besser Überarbeiten als eigentlich Schreiben, ist der Zero Draft die Lösung.


Für mich persönlich war es sehr einfach in den Zero Draft reinzufinden. Ich plotte meine Geschichten vollständig durch (nach der 3-9-27 Methode) und finde mich daher immer ganz gut zurecht. Ich mache das vor allem, weil ich nicht immer regelmäßig schreibe (auch wenn ich das mittlerweile wirklich versuche). Durch das Plotting finde ich schnell in die Story rein und es hilft mir dann beim Überarbeiten. Bestimmte Szenen haben vielleicht an dem Tag beim Schreiben nicht geklappt, aber ich weiß, wo sie hingehören und was passieren soll. Meine Plotting-Übersicht hilft und nun eben auch die Markierung im Text.


Das Überarbeiten wird natürlich deutlich aufwendiger, als wenn man direkt „sauber“ schreibt. Aber mir ging es eben wie oben schon erwähnt oft so, dass ich mich an Formulierungen und Szenen komplett aufgerieben habe und dadurch zu einem kreativen Burnout kam. Das wollte ich durch den Zero Draft vermeiden und habe das Projekt innerhalb von vier Monaten und mit knapp 82k. abgeschlossen. Ich lasse es nun ruhen und werde in ein paar Wochen mit der Überarbeitung anfangen. Gerne schreibe ich dann noch einen Bericht, wie die Überarbeitung lief und welche Schwierigkeiten sich aufgetan haben.


Ich habe die Zero Draft Methode über verschiedene Youtuber und Artikel kennengelernt. Jeder macht es anders, jeder verwendet unterschiedliche Ansätze dabei. Am besten man testet sich einfach langsam heran und sucht für sich die passensten Dinge heraus. So habe ich es gemacht und ich bin sicherlich noch nicht am Ende angelangt, werde Methoden anpassen. Setzt euch nicht unter Druck, sucht euch raus, was euch hilft und macht es zu eurer Methode.

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