• Brina Capriolo

Das Problem mit Social Media



Eigentlich hatte ich für den heutigen #Autorenkaffeeklatsch ein anderes Thema geplant. Aber die letzten Wochen waren mental sehr anstrengend für mich. Und das hing vor allem mit Social Media zusammen.


Ich versuche, regelmäßig zu posten, habe mich jetzt sogar in Reels eingefuchst. Hat sich meine Reichweite verbessert? Nein. Aber die Zahlen waren halbwegs konstant. Habe ich neue Follower bekommen? Nein. Aber die Interaktion war weiterhin da. Doch Instagram meinte zuletzt, auch meine minimale Reichweite noch weiter einzuschränken, Videos zu blocken. Ich erreiche so gut wie niemanden mehr mit meinen Bildern und jetzt auch nicht mit Reels. Ich weiß schlicht nicht mehr, was ich noch tun soll.


Nach Gesprächen mit Kollegen ist die Frage aufgetaucht, wieso ich Social Media mache. Was möchte ich damit erreichen? Was sind meine Ziele. Möchte ich mich unbedingt ausdrücken? Habe ich viel zu erzählen? Mach ich einfach gerne Fotos? Möchte ich es als Werbeplattform betreiben?

Ich musste darüber nachdenken und es hat mich lange beschäftigt. Ich möchte keinen sinnlosen Content produzieren, das habe ich nie und das werde ich (hoffentlich) nie. Ich möchte schöne Bilder und durchdachte Texte/Themen. Ich möchte zwar meine Bücher präsentieren, aber nicht dauerhaft Werbung dafür machen. Ich möchte kreativ sein, mich ausprobieren und euch an meinen Hobbys teilhaben lassen.


Aber wieso stört es mich dann, wenn die Zahlen nicht stimmen? Ich habe jetzt seit über einem halben Jahr die Like-Zahlen an den Beiträgen deaktiviert, weil mich das fertig gemacht hat. Dennoch bekommt man die Zahlen indirekt präsentiert für seine eigenen Beiträge. Bei den Reels sieht man deutlich die View-Anzahlen. Also kommt man nicht drum herum. Und mir wurde langsam klar, wieso mich diese ganzen Zahlen so fertig machen.

Es liegt tief in mir verankert, dieses Problem. Meine Leistungen und Arbeiten wurden von meiner Familie nie anerkannt. Nicht von Lehrern oder Arbeitgebern. Jeder ging immer davon aus, dass ich alles schaffe. Aber Leistungen wurden nie gewürdigt oder genauso behandelt wie das Versagen. Ein Beispiel: Wenn ich gute Noten nach Hause gebracht habe, gab es ein Schulterklopfen und das man damit ja gerechnet hat. Habe ich schlechte Noten geschrieben, gab es ein Schulterklopfen und das es ja nicht so schlimm ist. Gleiche Tonlage, gleiche Handhabung und nach ein paar Minuten sprach niemand mehr über die Leistung. Ich habe nie Anerkennung erfahren und weiß entsprechend gar nicht, wie man damit umgeht. Das zog sich auch durch meine Schulzeit durch, wenn Lehrer keinerlei Anerkennung geben konnten und auch in meinen Jobs, wurde es immer einfach hingenommen, was ich geleistet habe. So kann ich zum Beispiel keinen Stolz für meine Arbeiten (Schreiben / Job / privat) empfinden.


Social Media hat mir durch seine Reichweite, die Likes und Kommentare das erste Mal etwas präsentiert, woran ich meine Leistung messen konnte. Ich sah Wachstum, habe ein positives Gefühl für meine Arbeit (Fotos/Texte) erhalten. Und wenn jetzt diese Zahlen nicht mehr da sind, und das nicht durch mein Verhalten oder Arbeit kommt, ist das ein Tiefschlag, von dem ich kaum noch aufstehen kann. Social Media ist natürlich für jemanden wie mich, der absolute Selbstwertprobleme hat, pures Gift. Denn wir wissen alle, dass ständig im Hintergrund gearbeitet wird, man kaum Einfluss hat zu wachsen und überhaupt, die ganze Kultur auf der Plattform vergiftet ist.

Aber loslassen ist schwer. Viele private Gespräche sind mir enorm wichtig. Ich liebe es, zu fotografieren und weiß, dass ich das ohne Social Media nicht mehr machen würde. Ich möchte vielleicht irgendwann SP ausprobieren, wobei ich da gerade meine Zweifel habe, und möchte natürlich dafür werben.

Es ist schwer und ich taumel gerade enorm. Vielleicht höre ich wieder von jetzt auf gleich auf. Vielleicht versuche ich es mal mit einem neuen Account. Ich weiß es nicht. Aber es tut gut zu verstehen, wieso mich Social Media so fertig macht und ich mich ärgere. Das Problem hat seine Wurzeln in meiner Kindheit und das zu verstehen hilft, eine neue Perspektive zu finden.

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