• Brina Capriolo

Autorenkaffeeklatsch - Wiedereinstieg ins Schreibprojekt



Ich tue mich wahnsinnig schwer in ein Projekt einzusteigen, zumindest was den eigentlichen Schreibprozess angeht. Ich plotte super gerne und ausführlich, bereite alles vor und dann kommt der Moment, wo ich mich eigentlich „nur noch“ an die Tastatur setzten bräuchte. Tja, da kommt es dann meisten. Absolute Leere oder Unlust. Ich überarbeite immer lieber als das Schreiben (geht das noch jemanden so?). Mit dem Zero Draft, den ich für mich entdeckt habe, ist es leichter geworden. Aber trotzdem fällt mir der Anfang schwer. Gerade bei neuen Projekten. Die ersten Worte, den ersten Absatz sind eine Qual. Alles ist fremd, die Figuren fühlen sich nicht vertraut an. Ich brauch immer so ein, zwei, na ja vielleicht auch drei Kapitel bis ich richtig drin bin in der Geschichte. Es ist wie ein Kennenlernen, ich muss die Stimmen der Charaktere entdecken und ein Gefühl dafür bekommen, wie sie ticken. Oft merke ich in den ersten Kapiteln dann schon, dass gewisse Plotting-Ideen nicht aufgehen werden. Für mich hat jeder Charakter ein Eigenleben und wie bei einer richtigen Person, muss man das erst einmal entdecken und kennenlernen.


Wenn ich nach einer längeren Pause wieder in eine Geschichte eintauche, kenne ich zwar schon etwas die Handlung und auch die Figuren sind mir vertraut, aber oftmals ist doch eine gewisse Distanz entstanden. Mir hilft es dann oft in Szenen, die mir besonders Spaß gemacht haben rein zu lesen. Das wärmende Gefühl, in der Brust wieder zu spüren. Dieser Wiedereinstieg fällt mir oftmals deutlich leichter. Vor allem, wenn es Herzens-Projekte sind. Das ist dann teilweise wie nach Hause kommen. Alles ist vertraut, die Figuren erwarten einen und man beginnt erneut das Abenteuer. Das sind mir die liebsten Geschichten und Figuren.



Manchmal ist es auch Liebe auf den zweiten Blick. Project_Drums, jetzt besser bekannt als „Every Beat of my Heart“ war so eine zweite Liebe. Oder besser gesagt dritte Liebe. Denn ich habe die Idee sofort geliebt und war Feuer und Flamme. Doch beim Schreiben erlosch das Feuer, beinahe vollständig. Wir wurden nicht warm. Die Band war irgendwie typisch finnisch, distanziert, wir waren uns fremd und daher war da diese große Kluft. Ich wollte das Projekt abbrechen und für immer begraben, ich sah nicht, wie es funktionieren sollte. Und dann war da eine Idee, eine winzige Änderung und plötzlich fiel jedes Zahnrad an die richtige Stelle und es machte klick. Wir öffneten uns füreinander und die Worte sprudelten nur so hervor. Es war eine Liebe auf den dritten Blick.


Und so ist jedes Projekt eben anders. Ich habe Geschichten, wo der Einstieg immer wieder einfach ist, weil es mir vertraut ist und ich alles daran liebe. Andere Projekte haben sich nie geöffnet, egal wie gut die Idee war, am Ende hat es nicht geklickt und somit ist die Idee gestorben oder zumindest für lange Zeit auf Eis gelegt worden.


Die größten Schwierigkeiten hatte ich zumeist, wenn ich lange (mehrere Wochen oder gar Monate) raus war aus einem Projekt. Das konnte die unterschiedlichsten Gründe haben, aber es war jedes Mal ein Kampf zurückzufinden. Deswegen ist ein großes Ziel für das Jahr 2022 eine tägliche Routine aufzubauen. Kleine Wortziele, sowas um die 250 Wörter pro Tag. Aber jeden Tag eben, damit nicht diese großen Lücken/Pausen entstehen. Ob das klappt, werden wir sehen, ich berichte gerne. Was auf jeden Fall immer sehr hilfreich ist, sind meine Projektbücher. Da ich sehr genau plotte, weiß ich bei einem Wiedereinstieg genau, wo ich ansetzen muss. Das kann manchmal wirklich der notwendige Tritt in den Hintern sein.


Wie geht ihr ein neues Projekt an? Habt ihr Schwierigkeiten mit dem Einstieg? Wie geht ihr nach einer langen Pause wieder an eine Romanidee ran?



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