Januar 2022

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Karte: 3 of wands

Set: The Light Speer's Tarot von Chris Anne

Bedeutung: Energien manifestieren, Ankunft von Möglichkeiten, Chancen ergreifen, Lichtblicke, gute Aussichten, Erfolg, Selbstsicherheit, Weitblick, Lebensziele definieren

Meine Füße sinken tief ein. Ich verliere beinahe den Halt. Den nächsten Schritt zu setzen, fällt mir unfassbar schwer. Warum sollte ich überhaupt weitergehen? Alles um mich herum, zieht mich herab. Unter mir nur Treibsand, der mich in ein bodenloses Nichts zerrt. Die Last unter meinen Armen wiegt schwer, ich kann sie kaum halten. Es ist dunkel, ich fühle mich alleine und der Berg vor mir erscheint unmöglich zu erklimmen. 
Jeder Atemzug fällt mir schwer. Der Druck auf meiner Brust wird immer heftiger. Ich taumle beim nächsten Schritt. Der Boden unter mir schwankt. Alles verschwimmt. Ich verliere kostbare Zeit hier. Der Berg an Arbeit wächst mit jeder Minute, die ich hier bin. Alles könnte zusammenbrechen, wenn ich nicht aufbreche. Man wird mich austauschen, wenn ich nicht alles gebe und mich aufreibe. Ich sollte umkehren. 
Doch meine Schritte führen mich weiter, sinken tiefer herab in den noch kühlen Sand. Ich weiß, dass in ein paar Stunden die feinen Körner so heiß sein werden, dass man ohne Schuhe keinen schmerzfreien Schritt machen kann. Umso mehr sollte ich das Gefühl jetzt genießen. Dennoch bekomme ich das Bild von Treibsand nicht aus dem Kopf. Die Schritte sind so schwer und die Düne vor mir schier unendlich. 
Ich habe mein ganzes Leben gekämpft und doch scheint nichts gut genug zu sein. Also arbeite ich härter, reibe mich noch mehr auf bis irgendwann nichts von mir übrig sein wird. Ist es dann endlich genug gewesen? Habe ich dann den Ansprüchen genügt? Ich kenne die Antwort und meine Schritte die Düne hinauf werden langsamer. Nein. Es wird niemals reichen. Ich werde für diese Gesellschaft niemals gut genug sein. 
Ich stehe an einem Scheideweg. Ich kann umkehren und meinem Leben wie bisher nachgehen, alles für jeden tun und doch nicht genug sein. Oder ich gehe weiter, kämpfe mich über den Berg meiner Selbstzweifel und lerne, für mich genug zu sein. Denn das ist das Einzige, was wirklich zählt. Nicht wahr? 
Meine Schritte werden noch langsamer, bis ich stehen bleibe. Die Last unter meinem Arm wiegt schwerer, ich drohe den Halt zu verlieren und stolpere einen Schritt zurück. Ich weiß, wenn ich jetzt umkehre, werde ich nicht wieder hier her kommen. Dabei liebe ich diesen Ort. Wenn ich jetzt zurückgehe, ohne mir meine Auszeit genommen zu haben, werde ich brechen. Und trotzdem fällt mir die Entscheidung so ungemein schwer. So viele Stimmen in meinem Kopf. So viele Zweifel. 
Eine frische Brise weht über die Düne, lässt die Sandkörner ein wenig tanzen und bringt den Duft von Salz und Freiheit mit sich. Ich schließe die Augen, spüre die feinen Körner auf meiner Haut und sogar ein paar feuchte Tropfen. Das Ziel ist so nah. Ich kann es auf den Lippen schmecken. Freiheit. Und sei es nur für einen Augenblick. Aber wenn ich mir diesen Moment nicht nehme, dann versäume ich mein Leben. Nur zu arbeiten und zu existieren, reicht nicht um es ein Leben zu nennen. 
Ich spüre die Veränderung in mir durch diese frische Brise. Mein Kopf wird klarer. Ich weiß, wohin mein Weg mich führt. Ich bin mehr als meine Arbeit, mehr als meine Leistung. Meine eigenen Träume werden sich erfüllen, wenn ich nur nicht aufgebe. 
Ein Schritt. Dann noch einer. Ich kämpfe mich die Düne hinauf, erklimme den Berg meiner Zweifel und Ängste, weil ich weiß, dass da ein Licht ist. Ich muss nur beharrlich bleiben, mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Der Treibsand wird mich nicht mehr hinunterziehen. Ich gehe dem Licht entgegen. 
Als ich die Düne überquere, sehe ich das Meer, das von der aufgehenden Sonne geküsst wird. Rot. Orange. Ein immer heller werdender Schein auf dem unruhigen Wasser. Ich stelle das Surfbrett neben mich in den Sand und genieße den Anblick. Jeder schwere Schritt, jeder Zweifel waren es wert gewesen, die aufgehende Sonne und das glitzernde Wasser geben mir endlich den Frieden, den ich so gebraucht habe.
Ich atme die salzige Luft ein, halte sie in meinen Lungen und mit dem Ausatmen verdränge ich die Zweifel. Die Ängste. Das Leben bietet so viel mehr. Ich muss jeden Augenblick auskosten. Für mich. Für meinen Seelenfrieden. Ich darf mir Zeit und Raum nehmen. Das ist der Schritt in die richtige Richtung.